NIS2-Bußgelder in Frankreich, Italien und Österreich: Stand der Umsetzung
Italien setzt NIS2 seit Oktober 2024 um, Österreich startet am 1. Oktober 2026, Frankreich hat noch kein Gesetz und steht deshalb vor dem EuGH. Öffentlich bekannte NIS2-Bußgelder gibt es in keinem der drei Länder.
ComplyCheck-Redaktion · Stand: 2026-09-18
NIS2-Bußgelder in Frankreich, Italien und Österreich: Stand der Umsetzung
Stand: 18.09.2026 · ComplyCheck-Redaktion · Keine Rechtsberatung iSd RDG § 2.
EU-Grundlage ist die Richtlinie (EU) 2022/2555. Sie gilt nicht unmittelbar, sondern erst über nationale Gesetze. Die Umsetzungsfrist endete am 17.10.2024. Art. 34 NIS2 gibt nur Mindest-Höchstbeträge vor: für wesentliche Einrichtungen mindestens 10 Mio. € oder 2 % des weltweiten Vorjahresumsatzes, für wichtige Einrichtungen mindestens 7 Mio. € oder 1,4 %, jeweils der höhere Betrag.
Die drei Länder im Überblick
| Frankreich | Italien | Österreich | |
|---|---|---|---|
| Umsetzungsakt | keiner in Kraft; Gesetzentwurf „Résilience“ im Parlament | D.Lgs. 138/2024 (GU n. 230 vom 01.10.2024) | NISG 2026, BGBl. I Nr. 94/2025 |
| In Kraft | nein | seit 16.10.2024 | ab 01.10.2026 |
| Behörde | noch nicht gesetzlich bestimmt; die ANSSI bereitet die Umsetzung vor | ACN | Bundesamt für Cybersicherheit (BMI); Strafen verhängen die Bezirksverwaltungsbehörden |
| Höchstrahmen wesentliche Einrichtungen | kein nationaler Rahmen | 10 Mio. € oder 2 % | 10 Mio. € oder 2 % |
| Höchstrahmen wichtige Einrichtungen | kein nationaler Rahmen | 7 Mio. € oder 1,4 % | 7 Mio. € oder 1,4 % |
| Bekannte Bußgeldfälle | keine gefunden | keine gefunden | keine gefunden |
Frankreich: Gesetz steht noch aus
Frankreich setzt NIS2 zusammen mit der CER-Richtlinie und der DORA-Begleitrichtlinie in einem einzigen Gesetz um, dem „projet de loi relatif à la résilience des infrastructures critiques et au renforcement de la cybersécurité“. Laut Dossier des Senats wurde der Entwurf am 15.10.2024 eingebracht, am 12.03.2025 vom Senat angenommen; der Bericht der Sonderkommission der Nationalversammlung wurde am 10.09.2025 vorgelegt. Eine Verkündung ist dort nicht verzeichnet.
Die ANSSI schreibt auf ihrem NIS2-Portal, die Umsetzung in Frankreich laufe noch; bis zur Veröffentlichung aller Umsetzungstexte ruft sie künftige wesentliche und wichtige Einrichtungen auf, sich schon jetzt vorzubereiten.
Die EU-Kommission hat am 08.07.2026 beschlossen, Frankreich zusammen mit Irland, Spanien und den Niederlanden vor den EuGH zu bringen (Verfahren gegen Frankreich: INFR(2024)0274). Sie beantragt einen Pauschalbetrag und ein tägliches Zwangsgeld bis zur vollständigen Umsetzung.
Bußgeldfälle: Ohne nationales Gesetz gibt es keine Befugnis, NIS2-Bußgelder zu verhängen. Entsprechend sind auch keine Fälle bekannt.
Italien: Rahmen seit 2024, Pflichten gestaffelt
Das D.Lgs. 138/2024 wurde am 01.10.2024 in der Gazzetta Ufficiale veröffentlicht und trat am 16.10.2024 in Kraft. Nach dem NIS-Portal der ACN ist die Agentur die zuständige NIS-Behörde.
Die Pflichten greifen erst nach Aufnahme in die NIS-Liste. Nach den FAQ der ACN gilt für Einrichtungen, die 2025 erstmals gelistet wurden: Meldepflicht für Vorfälle 9 Monate und Sicherheitsmaßnahmen 18 Monate nach Zugang der Listungsmitteilung. Für Einrichtungen mit Erstlistung 2026 gilt die Meldepflicht ab 01.01.2027, die Frist für die Sicherheitsmaßnahmen endet am 31.07.2027. Die Frühwarnung ist spätestens 24 Stunden nach Kenntnis fällig, die Meldung spätestens nach 72 Stunden.
Art. 38 D.Lgs. 138/2024 staffelt die Sanktionen:
- Verstöße gegen Risikomanagement und Meldepflicht, wesentliche Einrichtungen: bis 10 Mio. € oder 2 % des weltweiten Jahresumsatzes, Mindestbetrag ein Zwanzigstel des Höchstbetrags (Abs. 9 lit. a)
- dasselbe bei wichtigen Einrichtungen: bis 7 Mio. € oder 1,4 %, Mindestbetrag ein Dreißigstel (Abs. 9 lit. b)
- Formverstöße wie fehlende Registrierung (Abs. 10): bis 0,1 % des Umsatzes bei wesentlichen, bis 0,07 % bei wichtigen Einrichtungen (Abs. 11)
Bußgeldfälle: Weder auf dem NIS-Portal der ACN noch in der Fachpresse fand sich bis zum 18.09.2026 eine öffentlich bekannt gemachte Sanktion nach dem D.Lgs. 138/2024.
Österreich: Start am 1. Oktober 2026
Das Netz- und Informationssystemsicherheitsgesetz 2026 (NISG 2026) ist als BGBl. I Nr. 94/2025 kundgemacht. Nach § 51 tritt es neun Monate nach der Kundmachung zum nächsten Monatsersten in Kraft. Das Unternehmensserviceportal des Bundes nennt dafür den 01.10.2026. Die erste Registrierung muss bis zum 01.01.2027 erfolgen, die Meldepflicht gilt ab Inkrafttreten.
Zuständige Behörde ist nach § 3a das neue Bundesamt für Cybersicherheit, das dem Innenministerium untersteht. Geldstrafen verhängen nach § 44 Abs. 1 aber die Bezirksverwaltungsbehörden, das Bundesamt zeigt den Verdacht bei ihnen an. Die Strafrahmen nach § 45 im Gesetzestext der Regierungsvorlage (308 d.B.), die der Innenausschuss unverändert angenommen hat:
- wesentliche Einrichtungen: bis 10 Mio. € oder 2 % des weltweiten Vorjahresumsatzes (§ 45 Abs. 2)
- wichtige Einrichtungen: bis 7 Mio. € oder 1,4 % (§ 45 Abs. 3)
- Formverstöße, etwa verspätete Registrierung oder Selbstdeklaration: bis 50.000 €, im Wiederholungsfall bis 100.000 € (§ 45 Abs. 4)
Bußgeldfälle: Vor dem 01.10.2026 gelten die NISG-2026-Pflichten nicht, also kann es noch keine Strafen nach diesem Gesetz geben.
Keine doppelte Geldbuße für dasselbe Verhalten
Art. 35 Abs. 2 NIS2: Hat die Datenschutzbehörde nach Art. 58 Abs. 2 lit. i DSGVO bereits ein Bußgeld verhängt, darf die NIS2-Behörde für einen Verstoß aus demselben Verhalten kein Bußgeld nach Art. 34 NIS2 mehr verhängen. Andere Durchsetzungsmaßnahmen wie Verwarnungen oder verbindliche Anweisungen bleiben möglich. Österreich hat das in § 44 Abs. 7 NISG 2026 übernommen. Die Meldepflichten nach DSGVO und NIS2 bestehen trotzdem nebeneinander und müssen beide erfüllt werden.
Was das für deutsche Unternehmen heißt
In Deutschland gilt das BSIG in der Fassung des NIS2-Umsetzungsgesetzes, in Kraft seit 06.12.2025 (BGBl. 2025 I Nr. 301). Die Bußgelder regelt § 65 BSIG: bis 10 Mio. € für besonders wichtige und bis 7 Mio. € für wichtige Einrichtungen. Umsatzbezogene Obergrenzen von 2 % bzw. 1,4 % greifen nur bei bestimmten Verstößen und nur bei mehr als 500 Mio. € Jahresumsatz.
Welcher Staat zuständig ist, regelt Art. 26 Abs. 1 NIS2:
- Grundregel: Zuständig ist der Mitgliedstaat, in dem die Einrichtung niedergelassen ist. Eine Tochtergesellschaft in Italien fällt unter das italienische Recht, eine in Österreich ab 01.10.2026 unter das NISG 2026.
- Hauptniederlassung gilt nur für die in Art. 26 Abs. 1 lit. b genannten Anbieter: DNS-Diensteanbieter, TLD-Namenregister, Domain-Registrierungsdienste, Cloud-Computing, Rechenzentren, Inhaltszustellnetze, verwaltete (Sicherheits-)Dienste, Online-Marktplätze, Suchmaschinen und soziale Netzwerke.
- Telekommunikationsanbieter unterliegen dem Staat, in dem sie ihre Dienste erbringen (lit. a).
Wer Niederlassungen in Österreich hat, prüft vor dem 01.10.2026, ob sie unter das NISG 2026 fallen, und plant die Registrierung bis 01.01.2027 ein. Für italienische Standorte gilt: Listungsmitteilung der ACN heraussuchen und die 9- und 18-Monats-Fristen daraus errechnen. Für Frankreich bleibt nur, den Gesetzgebungsprozess zu verfolgen.
FAQ
Gibt es schon veröffentlichte NIS2-Bußgelder aus Frankreich, Italien oder Österreich?
Bis zum 18.09.2026 ließ sich keiner finden. In Frankreich fehlt das Umsetzungsgesetz, in Österreich gelten die Pflichten erst ab 01.10.2026. In Italien gilt das Gesetz, aber veröffentlichte Sanktionen waren nicht auffindbar.
Kann das BSI eine deutsche Firma wegen ihrer italienischen Tochter bestrafen?
Nach der Grundregel in Art. 26 Abs. 1 NIS2 ist für die italienische Niederlassung der italienische Staat zuständig, also die ACN. Anders ist es nur bei den Anbieterarten aus lit. b: Für sie zählt die Hauptniederlassung in der EU.
Drohen bei einem Datenleck zwei Bußgelder?
Nicht für dasselbe Verhalten. Hat die Datenschutzbehörde bereits ein DSGVO-Bußgeld verhängt, ist ein NIS2-Bußgeld dafür nach Art. 35 Abs. 2 NIS2 ausgeschlossen. Andere Aufsichtsmaßnahmen der NIS2-Behörde bleiben möglich.
Sind die Höchstbeträge überall gleich?
Art. 34 NIS2 legt nur Mindest-Höchstbeträge fest. Italien und Österreich übernehmen 10 Mio. € bzw. 2 % und 7 Mio. € bzw. 1,4 % und ergänzen eigene Rahmen für Formverstöße. Deutschland wendet die Umsatzgrenzen nach § 65 BSIG nur bei bestimmten Verstößen und erst ab mehr als 500 Mio. € Umsatz an.
Veröffentlicht durch die ComplyCheck-Redaktion. Veröffentlicht am 17. August 2026. Aktualisiert am 18. September 2026.
Verantwortlich i.S.d. § 18 MStV: siehe Impressum.
Fehler entdeckt oder ergänzende Erfahrung? korrektur@complycheck.de
Compliance-Updates ohne GRC-Bloat
NIS2-, DORA- und KRITIS-Hinweise für KMU: kurz, quellenbasiert und mit nächsten Schritten.
🎁 Gratis dazu: NIS2-Scope-Checkliste für KMU
Das könnte dich auch interessieren
Compliance-Bußgelder 2026 — der kompakte Atlas
Bußgeldobergrenzen im Überblick, jeweils mit Norm: DSGVO, NIS2 nach § 65 BSIG, DORA, HinSchG, AI Act, Cyber Resilience Act, KWG und LkSG. Dazu Bemessung, Kumulation und Versicherbarkeit. Stand 18.09.2026.
BSIG 2025: Welche neuen Paragraphen lösen die alten §8a und §8b für KRITIS-Betreiber ab?
§§ 30, 31, 32, 33 und 39 BSIG lösen die alten §§ 8a/8b für KRITIS-Betreiber ab. Was sich ändert, inkl. Registrierung nach § 8 KRITISDachG. Stand: 22.09.2026.
Beinahevorfall unter NIS2: Muss man ihn melden?
Beinahevorfall, Sicherheitsvorfall, erheblicher Sicherheitsvorfall: wo die Meldepflicht nach § 32 BSIG beginnt, typische Fälle, freiwillige Meldung und warum Dokumentation trotzdem zählt.